Beim Einkauf doppelt Gutes tun

- Anett Heim, Regionalgruppe Gemeinwohl-Ökonomie Bodensee-Oberschwaben

Bernd Köhler (links) hilft Anett Heim (rechts) beim Abfüllen der Waren im Unverpackt-Laden. Anmerkung: Foto ist vor der Corona-Zeit entstanden.

Mein Einkaufserlebnis mit der Bürgerkarte und wie es dazu kam, dass "der halbe VfB" bei Tante Emma's Bruder einkauft" Wie die Bürgerkarte dem lokalen Handel einen „Turbo“ verleiht und gleichzeitig gemeinnützige Vereine stärkt.
Beim letzten Champions League Volleyball Spiel in Friedrichshafen erhielt ich in der Pause an einem Infostand die Bürgerkarte vom VfB Volleyball Verein der Amateure. „Gehe regional einkaufen und zeige diese Karte vor. Dann bekommen wir 1,8 % Deines Umsatzes und Du förderst damit weiteres Einkaufen vor Ort.“ Geht das wirklich so einfach? Heute probiere ich es aus:

Im Internet schaue ich, welche Geschäfte in Friedrichshafen mitmachen: Buchhandlung Fiederer, der Kinder-Second-Hand-Laden Rosarot, die Greenbox… Stopp! Auch Tante Emma's Bruder! „In den Unverpackt-Laden wollte ich doch sowieso schon immer mal gehen“ überlege ich. Ich schnappe mir meine Tochter, meine Bürgerkarte, meinen Geldbeutel und eine Tasche voll mit leeren Papiertüten und Gläsern, um die unverpackten Lebensmittel abzufüllen, schwinge mich auf mein Fahrrad und radle zu „Tante Emma's Bruder“, der in der Nähe des Bahnhofs ist. Neben dem Eingang stehen schon einige Fahrräder und ich stelle meines dazu. Als ich den Laden betrete, grinst mich ein gut gelaunter Verkäufer an: Das muss Bernd sein, der Tante Emma's Bruder vor 4 Jahren ins Leben gerufen hat.  In dem Laden ist eine positive Stimmung und ich bekomme gleich gute Laune. Die Lebensmittel in den Gläsern sehen ansprechend und ästhetisch aus, ganz anders als die Plastikverpackungen in den Supermärkten.  Bernd zeigt mir, wie ich meine Gläser abwiege und die Lebensmittel mittels Trichter am besten abfülle.

Ich kaufe Olivenöl, Vollkornnudeln, Schokomüsli, Bananenchips, getrocknete Mangos und Reis. Gegenüber der Kasse ist ein Schränkchen, auf dem etwas ganz besonderes steht: Lauter Süßigkeiten, von Gummibärchen bis zu Schokolinsen in Gläsern. Ich erinnere mich an die Erzählungen meiner Eltern an die damaligen Tante-Emma-Läden und dass dort genau solche Glasbehälter standen.  Ich kann es mir bildlich vorstellen, wie die Augen meiner Mutter zu leuchten begannen, wenn sie sich zwei oder sogar drei Süßigkeiten rausnehmen durfte. Ich hebe meine Tochter hoch, so dass sie die lecker angerichteten Süßigkeiten sieht. Sie strahlt und freut sich, als sie sich ein paar davon rausholen und naschen darf.    
   An der Kasse zeige ich meine Bürgerkarte vor. „Wie nett, schon wieder jemand vom VfB“ sagt Bernd. Ich erkläre ihm, dass ich selbst keine Volleyballerin bin, aber mir gerne die Spiele anschaue und es toll finde, was der VfB Verein für unsere Jugendlichen macht und dass ich daher den Verein sehr  gerne unterstütze. Für mich entstehen ja keine Mehrkosten und anonym ist die Bürgerkarte auch. Bernd freut sich über meinen Einkauf und bedankt sich dadurch, dass er meinen Lieblingsverein nun mit 1,8% meines Einkaufswerts fördert. Aktuell gibt es sogar einen Sonderfonds, der die Förderung verdoppelt, so dass der VfB nun 3,6% erhält. Dadurch soll ein Anreiz fürs lokale Einkaufen statt dem Onlinehandel gesetzt werden, was gerade in der jetzigen Zeit den Einzelhändlern hilft. "Kommen denn viele mit der Bürgerkarte?“ frage ich. „Ja, seit ich bei der Bürgerkarte dabei bin, kommt der halbe Verein hier zum Einkaufen. Viele sind gute Stammkunden geworden.“  

Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Ich freue mich, dass ich so ein schönes Einkaufserlebnis hatte, Bernd freut sich über meinen Umsatz und der VfB kommt zu Einnahmen.

Geschrieben von Anett Heim, Mitglied der Regionalgruppe Bodensee-Oberschwaben der Gemeinwohl-Ökonomie, die regelmäßig in Friedrichshafen zusammenkommt.
Mehr Infos zur Bürgerkarte gibt's hier: www.buergerkarte-bodensee-oberschwaben.de